• Feuerwerk zur Sonnenwende vor dem Stift Melk
  • Tanz beim Marillenkirtag in Spitz
  • Blumen © Anna Tukhfatullina Food PhotographerStylist on Unsplash
  • Kinder mit Goldhauben

Brauchtum aus den Donauregionen

Lebendiges Brauchtum und traditionelle Feste im Jahresreigen

In den Orten und Regionen entlang der Donau in Niederösterreich wird das Thema Brauchtum hoch gehalten. Traditionelle Feste wie die Sonnwendfeiern in der Wachau und im Nibelungengau oder Erntedankfeste werden gemeinsam gefeiert, andere Bräuche wiederum finden sich in beinahe jedem Haushalt und gehen auf spannende Geschichten aus den vorigen Jahrhunderten zurück.

Hier finden Sie traditionelle Bräuche aus der Region und die Geschichten dahinter. Wer noch mehr über bestimmte Brauchtümer erfahren möchte, dem empfehlen wir die Website der Volkskultur NÖ.

Maibaum


Das wohl markanteste Zeichen des Monats Mai ist vielerorts der Maibaum. Die heute meist zwischen 20 und 30 Meter hohen geschmückten Bäume sind ein Zeichen des Lebens und stehen für Wachstum, Fruchtbarkeit und Standhaftigkeit. Diesen Brauch dürfte es vor dem Mittelalter aber noch nicht gegeben haben. Der Maibaum ist in fast jeder Gemeinde in Niederösterreich an einem zentralen Platz ab dem 1. Mai zu sehen. Oberhalb des geschälten und entasteten Stammes ist ein grüner Wipfel angebracht und zwei oder drei Kränze aus Reisig, die mit bunten Bändern geschmückt sind, hängen an seiner Spitze. Mancherorts finden am 1. Mai große Dorf- oder Stadtfeste statt. Im Rahmen dieser Feiern können sich beim Maibaum-Kraxeln die Jugendlichen in Kletterwettkämpfen messen. 

 

 

Farbe weiß

Maistrich


In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wird vom Wohnhaus einer Person zum Wohnhaus einer anderen Person der ein oder andere Maistrich in Form einer Kalk- oder Farbspur auf der Straße gezogen. Diese Tradition soll der Öffentlichkeit einen Wink auf eine noch geheime Liebesbeziehung geben. An den Enden des Maistrichs findet sich oft ein Herz mit den Initialen der Verliebten.

Die Eisheiligen im Mai


Die "Eisheiligen" bezeichnen vier Gedenktage von Heiligen im Monat Mai. Diese vier Tage werden als letzte mögliche Kälteperiode mit Nachtfrostgefahr verstanden. So wird nach einer alten Bauernregel das milde Frühlingswetter erst mit Ablauf der "kalten Sophie" stabil.

Eine Übersicht der Tage:

Pankratius - 12. Mai
Servatius - 13. Mai
Bonifatius - 14. Mai
Sophie - 15. Mai

Mutter und Kind in Tulln

Muttertag


Der Muttertag wird am 2. Sonntag im Mai gefeiert. An diesem Tag bereiten Kinder oft in der Früh das Frühstück vor und sagen ihren Müttern ein Gedicht auf. Mütter werden außerdem mit Blumen, Geschenkkarten oder kleinen Basteleien beschenkt. Der Tag wird meist mit Ausflügen, Gasthausbesuchen, Spaziergängen und Verwandtenbesuchen begangen. 

 

 

Fronleichnam

Fronleichnamsprozession


Jedes Jahr zwischen dem 21. Mai und 24. Juni wird im Christentum Fronleichnam gefeiert. Schon im Mittelalter fanden feierliche Umzüge, sogenannte Prozessionen statt. In Anlehnung daran wird auch heute noch zu Fronleichnam in Österreich die Prozessionsroute mit Birkenzweigen und Bildern aus einzelnen Blütenteilen ausgeschmückt. Die an der Prozession teilnehmenden (Erstkommunions-) Kinder streuen dabei Blumen. So schmücken ganze Blumenteppiche an diesem Tag die Straßen an denen die Prozession vorbeiführt.

Familie in Tulln

Vatertag


Am zweiten Sonntag im Juni feiert man den Vatertag. Die Väter werden an diesem Tag mit Parfums, Krawatten und weiteren Geschenken geehrt. Meist verbringt man den Tag mit der Familie bei einem gemeinsamen Essen oder im Rahmen eines Ausflugs. 

Sonnenwende Wachau © Niederösterreich Werbung / Robert Herbst

Sonnenwende


Schon vor mehr als 400 Jahren wird die Sommersonnenwende in der Donauregion feierlich zelebriert. Der Brauch wurde besonders in der Wachau wie kaum anderswo gepflegt und erhalten. Heutzutage wird die Sonnenwende in der Wachau und im Nibelungengau mit dem Abbrennen mehrerer Sonnwendfeuer und dem Anzünden von Feuerwerken groß gefeiert. Dabei kann man die Feier bei einer Schifffahrt auf der Donau erleben.

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Mann steht in der Wiese und beobachtet das Wetter

Lostage


Im Bauernjahr gibt es sogenannte Lostage. Dies sind bestimmte Tage, zu denen es auch eine besonders hohe Anzahl an Bauernregeln gibt. Ein Beispiel dafür ist der Siebenschläfertag am 27. Juni. Das aktuelle Wetter an diesem Tag soll sich laut Bauernregel auch in den kommenden 7 Wochen zeigen. Dies war schon in früheren Zeiten hilfreich für die Verrichtung verschiedener landwirtschaftlicher Arbeiten, wie etwa den Beginn der Aussaat oder den Ausgang der Ernte. 

Kinder mit Goldhauben

Wachauer Goldhauben


Die Wachauer Goldhauben werden seit der Biedermeierzeit von Wachauer Frauen zur Festtracht getragen. Die Goldhaube ist eine kostbare Handarbeit aus Brokat und Goldspitzen.

Kinder und unverheiratete Frauen tragen die Mädchenhaube. Diese ist kleiner,  wird von einer breiten Goldspitze umrahmt und am Hinterkopf befindet sich eine Masche aus hellem Seidenstoff mit kurzen Bändern. Die Frauenhaube unterscheidet sich durch den gewichtigeren Kopfteil in Form eines, weit über den Scheitel gezogenen Bodens. Am Hinterkopf ist eine schwarze Seidenmasche mit bis zur Taille reichenden Bändern befestigt.

In früheren Zeiten war die Wachauer Goldhaube ein Statussymbol der privilegierten, bürgerlichen Schicht. In der Schilling-Ära war die Goldhaube auf dem "Zehner"-Geldstück abgebildet.

Trachten

Dirndlgwandsonntag


Der Dirndlgwandsonntag wird traditionell immer rund um den 13. September gefeiert. Dieser Tag ist der Festtag der Heiligen Notburga, der Schutzpatronin für Mägde, Bauern und Dienstboten.
An diesem Sonntag trägt man traditionell Tracht und feiert bei Agapen, Frühschoppen und weiteren Festen.

Lavendel

Kräuterweihe


Am 15. August zu Mariä Himmelfahrt finden viele Kräuterweihen statt. Damit wird verschiedenen Kräutern und ihrer Heilwirkung eine besondere Ehre schenkt und Dank ausgesprochen. Verschiedene Kräuter werden zu einem "Büschel" zusammengebunden und geweiht. Getrocknet aufbewahrt sollen diese dann über das Jahr Gesundheit, Schutz und Glück bringen.

Herbstlandschaft © Robert Herbst

Weinhüter


Schon 1340 wählten die Kremser Weinhauer jährlich einen Weinhüter. Dessen Aufgabe war es, die Weinberge zur Zeit der Traubenreife zu bewachen. Die Hüter trugen Hacken oder Spieße als Waffen. Blasinstrumente, wie das sogenannte Hüterpfeiferl aus Messing oder Rinderhörner dienten als Signalgeräte. Während ihres Dienstes wohnten die Männer in sogenannten Hüterhütten in den Weingärten. Der Dienst der Weinhüter begann zu Jakobi am 25. Juli und endete immer am 10. August zu Laurenzi. Pistolenschüsse markierten den Beginn und das Ende der Hütezeit.

Impressionen aus der niederösterreichischen Donauregion

Wussten Sie?

... dass das Abbrennen von Sonnwendfeuern in der Donauregion Niederösterreichs vor mehr als 400 Jahren erstmals urkundlich registriert wurde?
Der Brauch wurde in der Wachau wie kaum anderswo gepflegt und erhalten.

Vom Sonnenkult zum stimmungsvollen Fest
Über die Wurzeln der bis heute in vielen Ländern Europas verbreiteten Sonnwendfeiern gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse und zahllose Theorien. Ob es sich - wie von den meisten Forschern angenommen - tatsächlich um die Reste eines archaischen Sonnenkults von Kelten, Slawen und Germanen handelt, ist weder zu beweisen noch zu widerlegen. 

Die ältesten durch Quellen nachgewiesenen Sonnwendfeiern in Niederösterreich fanden 1604 in Rosenburg am Kamp und 1609 in Klosterneuburg statt. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts sind sie in großer Zahl für fast das ganze Land belegt. Am ausgiebigsten gefeiert wurde in der Wachau und im Nibelungengau.

In der Zeit der Aufklärung für ungefähr ein Jahrhundert verboten, kamen die Feiern erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und entwickelten sich zu ausgelassenen Volksfesten. 

Um dieselbe Zeit gelangten die Sonnwendfeiern in der Wachau durch Reiseberichte von Schriftstellern und Journalisten erstmals zu beachtlicher internationaler Bekanntheit. Besonders beeindruckt hat die zeitgenössischen Besucher dabei offenbar vor allem der vieltausendfache Glanz der Lichter, die auf winzigen Booten die Donau hinabgeschickt wurden. Wie sehr sie dabei ins poetische Schwärmen gerieten, kann entweder in den Archiven nachgelesen oder demnächst direkt vor Ort nachempfunden werden. Schön authentisch und authentisch schön.
Infos zu den nächsten Sonnenwende-Terminen