Die Geschichte der Sonnwendfeuer
Seit über 400 Jahren brennen jedes Jahr im Sommer die Sonnwendfeuer in den Regionen entlang der Donau. In der Wachau wurde dieser Brauch auf besondere Weise bewahrt.
Heidnischer Brauch & christlicher Johannestag
Woher die Tradition stammt, lässt sich nicht genau sagen. Manche sprechen von alten Sonnenkulten der Kelten, Slawen und Germanen. Sicher ist nur: Der Kirche war das Ganze lange ein Dorn im Auge. Zu heidnisch, zu wild, zu wenig kontrollierbar. Also wurde umgedeutet und der 24. Juni im Mittelalter zum Johannestag erklärt.
Die ältesten belegten Sonnwendfeiern in Niederösterreich stammen aus dem frühen 17. Jahrhundert: 1604 in Rosenburg am Kamp und 1609 in Klosterneuburg. Gefeiert wurde überall – aber nirgends so intensiv wie in der Wachau und im Nibelungengau. Bis 1754. Dann kam das Verbot. Zu gefährlich, zu viele Brände, zu viel „Aberglaube“ im Zeitalter der Aufklärung.
Als die Sonnwendfeuer zum Volksfest wurden
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrte das Sonnwendfeuer zurück. Aber nicht nur das. Erstmals wurde auch gemeinsam gefeiert – mit Tischen im Freien, Marktständen und Musik. „Johannisspezialitäten“ wie Krapfen, Lebkuchen, gebackene Holunderblüten und Met versüßten dabei den Abend. Für lodernde Flammen sorgten nun nicht mehr nur Holzstöße und Pechfässer, sondern auch die neuen Erfindungen der Zeit: Raketen und bengalische Feuer. Tausende Lichter, die sich in der Donau spiegelten. Ein Erlebnis, das Reisende, Schriftstellerinnen, Schriftsteller und Journalisten tief beeindruckte – und das über ihre Geschichten und Texte weitererzählt wurde.
Bis heute zählen die Sonnwendfeiern in der Wachau und im Nibelungengau zu den Höhepunkten im Sommer. Man kann die Feuerwerke vom Wasser aus erleben – zum Beispiel auf einem der Donauschiffe, die an diesen speziellen Abenden die Region durchkreuzen. Besonders stimmungsvoll ist aber auch, hinauf in die Weinberge zu spazieren und den Lichtertanz von oben zu beobachten.