Piano Canción
| Alejandro Guyot & Elbi Olalla: Tangos von den 1920er Jahren bis heute, eigene Stücke und Coverversionen.
Festival Imago Dei 2026
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20. März
„Eintauchen, in den Ozean der Taschen eines alten Mantels, auf der Suche nach Hoffnung. Vielleicht findest du einen zerfledderten Geldschein und bist willkommen, in der alten Bar.“ „In einer Flasche habe ich vergangene Küsse aufbewahrt. Ich trage sie nahe am Herzen…“ Der Tango ist gleichermaßen Poesie wie Tanz, ebenso Text wie Musik. An diesem Abend steht der erzählerische, kammermusikalische Aspekt im Mittelpunkt, wobei die Musik nichts von der dem Tango eigenen glühenden Dramatik vermissen lässt. Herzzerreißend schöne Szenen werden beschrieben oder solche von großer Traurigkeit. Aber bevor diese ins Manierierte kippen, hält eine gute Dosis bittere Ironie die Poetik in Balance. Alejandro Guyot lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt Buenos Aires. Bekannt wurde er ab den späten 1990er Jahren mit den Ensembles 34 Puñaladas, später bekannt als Bombay Buenos Aires. 2021 veröffentlichte er das Soloalbum „La Guerra es Adentro“ und den Roman „Sangre“, eine comedia negra. An der Opera National du Rhin hat er in Piazzollas „Maria de Buenos Aires“ in der Rolle des Geists El Duende mitgewirkt. In Buenos Aires leitet er am Konservatorium eine Canto Tango-Klasse. Elbi Olalla, die seit 2019 in Barcelona lebt, kommt aus der westargentinischen Stadt Mendoza, in der es eine reichhaltige, spezifische Tangoszene gab. Olalla hat dieser seit der Jahrtausendwende mit der Band Altertango, aber auch bei Festivals und innovativen Workshop-Projekten neue inspiratorische Kraft verliehen.
Die Kraft der Poesie inspiriert Imago Dei 2026. Sie wird in den Tangotexten des Duos Piano Canción aus Argentinien spürbar und leuchtet aus dem Karfreitags-Programm des korsischen Ensembles A Filetta. Berührende mittelalterliche Grabsprüche aus Bosnien prägen das Programm „Heretical Angels“. Ein Essay über die Melancholie aus dem England der Renaissance begleitet „Lachrimae“ von John Dowland, interpretiert vom verzaubernden Klang des Blockflötenquintetts Element of Prime. Das Ensemble ist auch bei unserem Kinderkonzert im Einsatz. Das mitreißende Solo-Programm der Koto-Spielerin Karin Nakagawa wird durch Worte aus dem Japan des 13. Jahrhunderts ergänzt.
Ingeborg Bachmann, deren Geburtstag sich 2026 zum 100. Mal jährt, wird im Laufe des Festivals mehrmals zu Wort kommen. So liegt eine ihrer Geschichten an der Basis der Uraufführung von „Frühling. Leeres Land.“, einem musikalischen Szenario in außergewöhnlicher Besetzung. Bachmanns Text „Ein Blatt für Mozart“ wird zur Gran Partita, der abendfüllenden Serenade zum Festivalabschluss, zu hören sein. Auf den Film „Amadeus“ folgt Mozart live, gespielt vom L’Orfeo Bläserensemble mit 13 Instrumenten.
Nur Mandoline und Stimme genügen hingegen dem gefeierten Singer-Songwriter Chris Thile, um unvergleichliche Lyrics und Sounds zu entfalten. In Lesungen und Konzerteinführungen sind die Schauspieler:innen Dörte Lyssewski, Markus Meyer sowie Studierende der Musik und Privatuniversität der Stadt Wien, weiters der Diplomat Valentin Inzko und der Musiker Ernst Molden zu Gast. Zur Eröffnung wird der Klangraum auch zum Lichtraum. Bei der Uraufführung von „apsu“ gesellt sich die Videokunst von Lillevan als vierte Stimme zum Trio Brot & Sterne. An diesem ersten Abend von Imago Dei erklingt auch eine weitere große dichterische Stimme Österreichs: Julian Schutting verfasst für Imago Die einen neuen Text zu den Themen Wasser und Vergänglichkeit.