Bereits im 6. Jahrhundert erwähnt, ist die Koto ein mächtiges Instrument mit elegant gewölbtem Klangkörper, über den die Saiten gespannt werden. Jede einzelne Saite läuft über einen kleinen weißen Steg, der verschoben werden kann und damit die Stimmung der Töne verändert.
Im Konzert wird Karin Nakagawa eins mit dem Instrument. Ab ihrem zwölften Lebensjahr hat sie unter anderem bei der legendären Pädagogin und Kotospielerin Keiko Nosaka studiert. Die ganz eigentümliche, scheinbar einfache, ja karge, aber mit ihren vielen Details ungemein reichhaltige japanische Volksmusik lässt sich ebenso aus Nakagawas Kompositionen herausspüren wie Jazz und sogar Funk oder Blues, wenn sie mit einer Hand einen packenden Riff spielt und die andere Hand in inspirierter Improvisation über die Saiten fliegen lässt. Aber auch Naturgeräusche und außermusikalische Ideen sind unabdingbare Bestandteile ihrer Kunst. Sie nennt in diesem Zusammenhang das Konzept „Ma“, einen „leeren Raum, der Dinge nicht trennt, sondern verbindet“, und generell die Stille als Teil der Performance: vor der Musik, in ihren Pausen, und am Ende als, wie sie sagt, „emotionaler Nachhall“.
In Kooperation mit AIR – Artist in Residence Niederösterreich
Die Kraft der Poesie inspiriert Imago Dei 2026. Sie wird in den Tangotexten des Duos Piano Canción aus Argentinien spürbar und leuchtet aus dem Karfreitags-Programm des korsischen Ensembles A Filetta. Berührende mittelalterliche Grabsprüche aus Bosnien prägen das Programm „Heretical Angels“. Ein Essay über die Melancholie aus dem England der Renaissance begleitet „Lachrimae“ von John Dowland, interpretiert vom verzaubernden Klang des Blockflötenquintetts Element of Prime. Das Ensemble ist auch bei unserem Kinderkonzert im Einsatz. Das mitreißende Solo-Programm der Koto-Spielerin Karin Nakagawa wird durch Worte aus dem Japan des 13. Jahrhunderts ergänzt.
Ingeborg Bachmann, deren Geburtstag sich 2026 zum 100. Mal jährt, wird im Laufe des Festivals mehrmals zu Wort kommen. So liegt eine ihrer Geschichten an der Basis der Uraufführung von „Frühling. Leeres Land.“, einem musikalischen Szenario in außergewöhnlicher Besetzung. Bachmanns Text „Ein Blatt für Mozart“ wird zur Gran Partita, der abendfüllenden Serenade zum Festivalabschluss, zu hören sein. Auf den Film „Amadeus“ folgt Mozart live, gespielt vom L’Orfeo Bläserensemble mit 13 Instrumenten.
Nur Mandoline und Stimme genügen hingegen dem gefeierten Singer-Songwriter Chris Thile, um unvergleichliche Lyrics und Sounds zu entfalten. In Lesungen und Konzerteinführungen sind die Schauspieler:innen Dörte Lyssewski, Markus Meyer sowie Studierende der Musik und Privatuniversität der Stadt Wien, weiters der Diplomat Valentin Inzko und der Musiker Ernst Molden zu Gast. Zur Eröffnung wird der Klangraum auch zum Lichtraum. Bei der Uraufführung von „apsu“ gesellt sich die Videokunst von Lillevan als vierte Stimme zum Trio Brot & Sterne. An diesem ersten Abend von Imago Dei erklingt auch eine weitere große dichterische Stimme Österreichs: Julian Schutting verfasst für Imago Die einen neuen Text zu den Themen Wasser und Vergänglichkeit.