Frühling. Leeres Land.
| Musikalisches Szenario von Wolfgang Sauseng und Elisabeth Vera Rathenböck nach der Erzählung „Die Karawane und die Auferstehung“ von Ingeborg Bachmann.
Festival Imago Dei 2026
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22. März
Es ist Frühlingsbeginn. Die Osterzeit steht unmittelbar bevor. Nach christlichem Brauch werden die Glocken bald schweigen. Da passt diese Uraufführung wie maßgeschneidert. Denn die Thematik von „Frühling. Leeres Land.“ berührt viele Emotionen dieser Zeit: Angst vor der Vergänglichkeit. Lebensbilanz. Vorfreude auf einen möglichen Aufbruch. Schmerzliche Verluste, aber auch Hoffnung in düsteren Tagen. In einer Zwischenwelt, einem Land im Zwielicht, ist eine kleine Gruppe sich Erinnernder unterwegs. Sie befinden sich zwischen Leben und Tod – oder zwischen Tod und Leben. Wie eine kindlich-messianische Lichtgestalt versucht die Sopranstimme des Knaben die anderen Wandernden aus ihrer Apathie zu befreien. Am Ende leuchtet aus „unermesslichem Dunkel“ eine kleine Flamme, die neues Leben bringen wird. Mit außergewöhnlicher Instrumentation und komponiert in seiner vielfältigen, höchst individuellen und intensiven Klangsprache vertont Wolfgang Sauseng ein Libretto, das auf einer Erzählung der 22-jährigen Ingeborg Bachmann beruht. Damit schließt sich bei Imago Dei ein Kreis: Sauseng (*1956), profilierter Kirchenmusiker und emeritierter Universitätsprofessor, erfüllt einen weiteren großen Kompositionsauftrag des Chorus sine nomine unter Johannes Hiemetsberger. Bereits 2003 haben sie im Klangraum Sausengs „Passio Iesu“ zur Uraufführung gebracht.
Die Kraft der Poesie inspiriert Imago Dei 2026. Sie wird in den Tangotexten des Duos Piano Canción aus Argentinien spürbar und leuchtet aus dem Karfreitags-Programm des korsischen Ensembles A Filetta. Berührende mittelalterliche Grabsprüche aus Bosnien prägen das Programm „Heretical Angels“. Ein Essay über die Melancholie aus dem England der Renaissance begleitet „Lachrimae“ von John Dowland, interpretiert vom verzaubernden Klang des Blockflötenquintetts Element of Prime. Das Ensemble ist auch bei unserem Kinderkonzert im Einsatz. Das mitreißende Solo-Programm der Koto-Spielerin Karin Nakagawa wird durch Worte aus dem Japan des 13. Jahrhunderts ergänzt.
Ingeborg Bachmann, deren Geburtstag sich 2026 zum 100. Mal jährt, wird im Laufe des Festivals mehrmals zu Wort kommen. So liegt eine ihrer Geschichten an der Basis der Uraufführung von „Frühling. Leeres Land.“, einem musikalischen Szenario in außergewöhnlicher Besetzung. Bachmanns Text „Ein Blatt für Mozart“ wird zur Gran Partita, der abendfüllenden Serenade zum Festivalabschluss, zu hören sein. Auf den Film „Amadeus“ folgt Mozart live, gespielt vom L’Orfeo Bläserensemble mit 13 Instrumenten.
Nur Mandoline und Stimme genügen hingegen dem gefeierten Singer-Songwriter Chris Thile, um unvergleichliche Lyrics und Sounds zu entfalten. In Lesungen und Konzerteinführungen sind die Schauspieler:innen Dörte Lyssewski, Markus Meyer sowie Studierende der Musik und Privatuniversität der Stadt Wien, weiters der Diplomat Valentin Inzko und der Musiker Ernst Molden zu Gast. Zur Eröffnung wird der Klangraum auch zum Lichtraum. Bei der Uraufführung von „apsu“ gesellt sich die Videokunst von Lillevan als vierte Stimme zum Trio Brot & Sterne. An diesem ersten Abend von Imago Dei erklingt auch eine weitere große dichterische Stimme Österreichs: Julian Schutting verfasst für Imago Die einen neuen Text zu den Themen Wasser und Vergänglichkeit.