Zeit für eine neue Playlist: die „Symphonie mit dem Paukenschlag“, das „Kaiserquartett“, „Das Leben ist ein Traum“. Das sind genau die drei Empfehlungen von Michael Linsbauer, um sich einen ersten Überblick über das Werk von Joseph Haydn zu verschaffen. Willkommen in Rohrau! Im Geburtshaus von Joseph und Michael Haydn. Den zwei Musikerbrüdern, nach denen heute eine ganze Region benannt ist. Nahe dem Dreiländereck liegt sie, die Haydnregion Niederösterreich – an der Grenze zum Burgenland und nicht weit von der Slowakei und Ungarn entfernt.
Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt.
„Pannonien lässt hier schon grüßen, schauen Sie einmal aufs Dach“, lacht Michael Linsbauer, Leiter des Haydn Geburtshauses Rohrau. Es ist mit Schilf gedeckt, das sieht man bereits von der Straße aus. Genauso wie das große Schild „Zum Haydn“, das schon zu Lebzeiten Haydns hier angebracht wurde. „Das zeigt, wie berühmt Joseph Haydn damals schon war, quasi ein Weltstar“, erzählt Michael Linsbauer, Leiter des Museums. Mit wem man ihn vergleichen könnte? „Ich stelle mir Haydn immer ein wenig wie Peter Ustinov vor. Ein weiser und gütiger, älterer Herr mit einer guten Prise Humor. Ein Kosmopolit und Genussmensch, der sich durch seine Rohrauer Wurzeln aber auch immer eine Art Bodenständigkeit behielt.“
Aber wer war dieser Joseph Haydn genau – und warum sollte man in die Geschichte des Komponisten eintauchen? „Joseph Haydn ist der Vater des Streichquartetts – und das ist bis heute, neben dem Klaviertrio, die wichtigste Formation in der Kammermusik“, erzählt Michael Linsbauer. Erste Geige. Zweite Geige. Bratsche. Cello. Genau diese Konstellation setzte sich zur Zeit Haydns international durch – bis heute. „Dadurch wurde es möglich, dass Musik Ende des 19. Jahrhunderts auch in die bürgerlichen Salons Einzug hielt. Für ein ganzes Orchester hatte damals nur der Adel den Raum und die Mittel. Und öffentliche Konzerte, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht.“
Die Station mit dem Streichquartett ist eine von Michael Linsbauers Empfehlungen für eine Runde durch das Haydn Geburtshaus Rohrau. Eine Klang-Installation aus vier Platten, die man selbst „spielen“ kann. Erste Geige, zweite Geige, Bratsche, Cello – jede der Platten gibt ein Instrument wieder und kann mit Händen, Füßen, Ellenbögen bedient werden. Je nach persönlicher Flexibilität. „Alle vier Platten gleichzeitig zu berühren, schafft man aber nur gemeinsam mit einer zweiten Person.
Joseph Haydn ist der Vater des Streichquartetts – eine Formation, die bis heute die Kammermusik prägt.
Was darf man noch nicht versäumen auf einer Runde durch das Museum? „Den Raum Nummer 2, in dem wir den familiären Background der Haydn-Brüder erklären. Der Vater war Wagner-Meister – wer genau hinschaut, entdeckt die Buchstaben M und H auf seiner Deichsel“, erzählt Michael Linsbauer. „Und das Zitronenlimonaden-Rezept der Mutter kann man auch bestaunen, sehr aufwändig. Sie war Köchin im Schloss der Grafen Harrach – das befindet sich nur wenige Schritte entfernt.“ Wer in Rohrau ist, besucht am besten auch das Schloss samt seiner berühmten Gemäldegalerie. „Und die Schlosstaverne. Die haben DIE MÄNDSCHA übernommen, zwei Gastronominnen aus dem Ort“, empfiehlt Michael Linsbauer. Und wo kann man in Rohrau übernachten? „Zum Beispiel im 5er-HAUS, einer liebevoll gestalteten Pension direkt im Ort. Wer ein Hotel vorzieht, fährt weiter ins Hotel Spitzerberg nach Hundsheim oder zum Goldenen Anker nach Hainburg.
Es bietet sich an, länger zu bleiben in der Haydn Region Niederösterreich. Auf den Spuren der Haydn-Brüder. Joseph Haydns jüngerer Bruder Michael war übrigens ebenfalls ein erfolgreicher Komponist. „Weltberühmt in Salzburg. Er hat vor allem kirchliche Musik geschrieben“, so Michael Linsbauer. Auch über ihn erfährt man im Haydn Geburtshaus Rohrau etliche Details. Bevor man weiterfährt zu einem der Heurigen in der Region oder in die mittelalterliche Stadt Hainburg. Oder man bleibt für eine der vielen Veranstaltungen der „Haydnregion Niederösterreich“, die an ganz besonderen Orten stattfinden: in Kirchen, Schlössern, beim Heurigen, in historischen Industriebauten und auch im Haydn Geburtshaus selbst. Dabei ertönt nicht nur Musik: Bei den Rohrauer Gesprächen diskutiert Winzerin Dorli Muhr aus Prellenkirchen mit prominenten Persönlichkeiten. Eines haben alle Veranstaltungen gemeinsam: Neben der Musik spielt auch der Genuss in der Haydnregion die erste Geige.