Entlang der niederösterreichischen Donau entfaltet sich eine Geschichte, die weit über Jahrtausende zurückreicht und in ihrer Dichte weltweit ihresgleichen sucht. Es ist ein Raum, in dem das menschliche Schaffen in all seinen Facetten spürbar wird: von den ersten künstlerischen Regungen der Steinzeit über die architektonischen Meisterleistungen der Römer und die spirituelle Kraft der großen Stifte bis hin zur visionären Kunst der Moderne.
All das liegt nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Am Galgenberg bei Stratzing im Kremstal wurde bei Grabungen eine Frauenfigur gefunden. Nur 7,2 Zentimeter groß und 10 Gramm schwer wird sie wenig später als „Fanny von Galgenberg“ in die Geschichte eingehen. Die Steinplastik ist nicht nur das älteste Kunstwerk Österreichs, sondern die frühste Darstellung eines Menschen weltweit: Sie ist rund 32.000 Jahre alt. Heute erfährt man mehr über Fanny im Erlebnispark Steinzeitwelt Stratzing – hierher führt auch der Eiszeitwanderweg.
die Venus von Willendorf. Die kleine Statuette zeigt mit ihren 11 Zentimetern eine Frau aus der Steinzeit – und uns damit das damalige Schönheitsideal. Die Venus wurde im Jahr 1908 gefunden – neben der Fundstelle befindet sich heute das „Venusium“, ein kleines feines Museum.
Info: Wer die Originale der beiden Statuetten sehen will, fährt ins Naturhistorische Museum nach Wien.
Ebenso weltberühmt: das Zwillingsgrab am Wachtberg in Krems – hier wurden vor rund 31.000 Jahren zwei Säuglinge bestattet. Ein äußerst seltener Fund!
Bis heute nutzen die Menschen ihre Fundamente und Grundmauern oder leben in Städten und Dörfern, die einst von ihnen gegründet wurden: die Römer
Jahrhunderte prägten sie die Landschaft und das Leben entlang der Donau, die gleichzeitig die nördliche Grenze des Römischen Reichs markierte. Um diese zu sichern, bauten die Römer Legionslager, Kastelle und Wachtürmer – ihre Überreste zählen heute zum Welterbe Donaulimes.
Der Höhepunkt des Donaulimes in Niederösterreich ist die Römerstadt Carnuntum. Einst römische Provinzhauptstadt mit über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, kann hier heute ein Teil der ehemaligen Stadt besichtigt werden – teils original, teils rekonstruiert, bietet die Römerstadt Carnuntum einen tollen Einblick ins Leben der Antike. Die Therme mit Fußbodenheizung, das Amphitheater oder die Gladiatorenschule – hier gibt’s für Kinder, Jugendliche und Erwachsene viel zu entdecken.
Neben der Römerstadt Carnuntum ist auch die Wachau besonders zu erwähnen: am rechten Donauufer findet man Überreste von römischen Wachtürmen. Die Stadt Mautern an der Donau beruht auf der Parzellierung des römischen Kastells Favianis.
Bis heute sind die Spuren des Mittelalters in der Donauregion deutlich spürbar. Sie springen sogar schon von Weitem ins Auge, wie die mächtige Burgruine Aggstein, die über der Wachau thront. Erstmals im 12. Jahrhundert von den Kuenringern erbaut, wurde sie mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Heute kann das Top-Ausflugsziel rund ums Jahr besichtigt werden – zum Beispiel das „Rosengärtlein“, das im Mittelalter als Verlies genutzt wurde.
Auch Dürnstein ist für einen berühmten Gefangenen in die Geschichte eingegangen: Hier wurde der englische König Richard I. Löwenherz Ende des 12. Jahrhunderts festgehalten. Historie und Sage mischen sich beim „Sänger Blondel“, der angeblich von Burg zu Burg wanderte, um seinen König zu suchen – und in Dürnstein fündig wurde. Eine Geschichte, die einem immer wieder begegnet, wenn man durch die mittelalterlichen Gassen streift. Die Stadt ist durch eine Wehrmauer mit der Burgruine verbunden – hinaufwandern lohnt sich!
Eines der bedeutendsten Gebäude der frühen Gotik befindet sich in Krems an der Donau: die Gozzoburg. Entstanden zwischen 1000 und 1200, wurde sie im 13. Jahrhundert zu einem Palast ausgebaut – und zwar vom Kremser Stadtrichter Gozzo. Sein Name ist bis heute mit dem Gebäude verbunden. Tipp: Eine Führung durchs Gebäude buchen.
Auch eine mittelalterliche Erzählung ist tief mit der Region verbunden: die Nibelungensage. Eine Schlüsselszene ist in Tulln an der Donau in Bronze gegossen: Das Nibelungendenkmal an der Donaulände zeigt das legendäre Treffen zwischen der Burgunderkönigin Kriemhild und dem Hunnenkönig Etzel.
Die Donauregion – Land der Klöster und Stifte. Vier monumentale Bauten bilden die Höhepunkte der Reise entlang der Donau in Niederösterreich: Stift Melk, Stift Dürnstein und Stift Göttweig, die zum Welterbe Wachau zählen, und das Stift Klosterneuburg vor den Toren Wiens.
Alle vier Stifte sind heute Top-Ausflugsziele. Mit dem Benediktinerstift Melk besucht man eines der schönsten und größten Barockensembles Europas – geplant vom renommierten Barockbaumeister Jakob Prandtauer. In kräftigem Gelb thront es auch heute über der Stadt – mit seinen sagenhaften 1.365 Fenstern, einer umfassenden Stiftsbibliothek und knapp 500 Räumen.
Im östlichen Teil der Wachau prägt das Stift Dürnstein die kleine Ortschaft – den markanten blauen Turm der Stiftskirche sieht man schon von Weitem. Der Grundstein wurde Ende des 14. Jahrhunderts gelegt, ausgebaut wurde das Ensemble in der Barockzeit unter Propst Hieronymus Übelbacher. Ein Teil davon kann besichtigt werden – gemeinsam mit der Dauerausstellung „Entdeckung des Wertvollen“.
Stift Göttweig punktet mit einem sagenhaften Blick über die Region Krems an der Donau. Vom mittelalterlichen Bauwerk sind noch Reste vorhanden. Der Großteil des heutigen Stiftes stammt aber aus der Barockzeit – die Pläne dazu lieferte der berühmte Hofarchitekt Johann Lucas von Hildebrandt. Heute ist Stift Göttweig nicht nur Heimat des Benediktinerordens, sondern auch ein vielseitiges Veranstaltungszentrum – von der Klassik bis zum Clubbing.
Stift Klosterneuburg – der Babenberger Markgraf Leopold III. hat es zu Beginn des 12. Jahrhunderts gegründet. Wenige Jahre später ging es an die Augustiner Chorherren über, die es bis heute bewirtschaften. Zur prächtigen Klosteranlage gehört auch das Weingut Stift Klosterneuburg. Neben den kulturellen Schätzen kann man im Stift Klosterneuburg also auch edle Tropfen und kulinarische Spezialitäten entdecken.
Fünf Schlösser und jede Menge Superlative: Die Marchfeld-Schlösser bieten beeindruckende Architektur, historische Schätze und kunstvoll angelegte Gärten. So wie Schloss Hof, das von Prinz Eugen von Savoyen zum Barock-Juwel ausgebaut wurde. 35.000 Blumenzwiebeln schlummern hier im Erdreich, damit der beeindruckende Barockgarten Jahr für Jahr aufblüht. Kinder lieben den Gutshof mit seinen 200 Tieren – viele davon seltene Haustierrassen, wie der weiße Barockesel.
Prinz Eugen hinterließ aber auch im Schloss Niederweiden seine Spuren – der große barocke Lustgarten lädt heute zum Spazieren ein.
Weiter geht’s ins Schloss Marchegg, einer früheren mittelalterlichen Wasserburg. Sie wurde von der ungarischen Fürstenfamilie Pálffy als Jagdschloss genutzt. Heute lebt hier auch eine ganze Kolonie an Störchen.
Mitten im Nationalpark Donau-Auen thront Schloss Orth – ein Platz, an dem sich Kultur- und Naturerlebnisse bestens verbinden lassen. Im Renaissance-Schloss gibt es im museumORTH wechselnde Ausstellungen. Auf der Schlossinsel entdeckt man die Au im Kleinen – zum Beispiel 33 verschiedene europäische Sumpfschildkröten-Arten.
Wie alle Marchfeld-Schlösser ist auch Schloss Eckartsau eng mit der österreichischen Geschichte verwoben: Jene der Habsburger fand hier ihr Ende. Heute ist das Schloss mit seinen 1300 Kunstwerken und Möbeln ein beliebtes Ausflugsziel. Tipp: Auch der Schlosspark mit seinen 99 Baumarten ist sehenswert.
Er war einer der internationalen Stars seiner Zeit und „Vater“ der klassischen Sinfonie: der Komponist Joseph Haydn. Sein Bruder Michael war ein ebenso begabter Musiker. Das Geburtshaus der beiden befindet sich in Rohrau – für Gäste ist es in der warmen Jahreszeit geöffnet, auch für Konzerte und die „Rohrauer Gespräche“.
Haydn hinterließ auch durch seine berühmten Schüler Spuren – zum Beispiel durch Ludwig van Beethoven, der eine Zeit lang im Wasserschloss Gneixendorf lebte. Oder durch Ignaz Pleyel – in dessen Geburtsort Ruppersthal am Wagram gibt es heute ein Kulturzentrum mit Museum, Konzerten und einem kleinen Lokal mit Blick auf die Weinberge.
Noch ein berühmter Niederösterreicher, der die Musikgeschichte schrieb, war Franz Schubert. Heute erfährt man mehr über den Komponisten im Schloss Atzenbrugg, wo der Komponist einige Zeit verbrachte. Die „Schubertiade“ holt jedes Jahr zeitgenössische Musikerinnen und Musiker ins Schloss.
Die Donauregion bringt immer wieder Künstler hervor, die in die Weltgeschichte eingehen. So wie Martin Johann Schmidt, auch bekannt als „Kremser Schmidt“. Der Barockmaler hinterließ mit seinen Gemälden in vielen Kirchen entlang der Donau Spuren, zum Beispiel in der Stadtpfarrkirche St. Veit oder in der Piaristenkirche in Krems an der Donau.
Auch den Namen Paul Troger sollte man kennen. Der Maler schuf unter anderem außergewöhnliche Deckengemälde wie jenes im Marmorsaal von Stift Melk oder über der Kaiserstiege von Stift Göttweig.
Kokoschka, Schiele, Hundertwasser – drei große Namen des 20. Jahrhunderts mit Bezug zur Donauregion. Oskar Kokoschka prägte die Wiener Moderne mit. In seinem Geburtsort Pöchlarn kann man heute das Kokoschka-Museum besuchen.
Egon Schiele wurde in Tulln an der Donau geboren – heute kann man hier nicht nur sein Geburtshaus am Bahnhof besuchen, sondern auch das Egon-Schiele-Museum an der Donaulände. Nur ein paar Schritte weiter befindet sich das Schiff „Regentag“ des berühmten österreichischen Malers Friedensreich Hundertwasser.
Zur Meile wurde das Areal rund um den Museumsplatz durch den Bau des Karikaturmuseums Krems – Architekt war Gustav Peichl, dessen Karikaturen hier immer wieder zu sehen sind. Wenige Schritte weiter am Minoritenplatz in Stein widmet sich das Forum Frohner dem Werk des Malers Adolf Frohner. Ein Insidertipp für alle, die es klein und fein lieben.
Der jüngste Ausbauschritt der Kunstmeile Krems erfolgte 2019 mit der Landesgalerie Niederösterreich. Das Gebäude ist nicht nur selbst ein Hingucker, sondern auch ein wichtiges Zentrum für österreichische Kunst in Niederösterreich. Wer sich nach dem Museumsbesuch stärken will, geht ins „Poldi Fitzka“.
Neben der Kunstmeile Krems ist auch Gugging ein besonderer Ort, um moderne Kunst in der Donauregion zu erleben. Das museum gugging zeigt Art Brut – mit Fokus auf die Werke der Gugginger Künstlerinnen und Künstler.
Performances. Konzerte. Kabarett. Das Leben ist live am besten. Deshalb bietet die Donauregion unterschiedliche Bühnen und Festivals. Ganz zeitgenössisch und international geht es am donaufestival in Krems an der Donau zu – mit Musikacts und Performances an verschiedenen Locations in der Stadt.
Wer Klassik liebt, besucht die Internationalen Barocktage Melk. Mit den Sommerspielen Melk bietet die Stadt auch Theater & Musik unter freiem Himmel in der Wachauarena.
Näher als in Tulln kommt man der Donau bei Konzerten und Kabarett nirgendwo: Die Donaubühne Tulln holt im Sommer internationale und heimische Künstlerinnen und Künstler in die Gartenstadt. Manche Veranstaltungen sind dabei sogar kostenfrei.
In Hainburg an der Donau öffnet die Kulturfabrik Hainburg immer wieder ihre Tore für Kulturveranstaltungen. Auch das Gebäude selbst ist sehenswert – es war früher eine Tabakmanufaktur.