Haben Sie gewusst, dass die Geschichte der Donauregion in Niederösterreich eng mit der des englischen Königs Richard Löwenherz verbunden ist? Der wurde nämlich nicht nur in Dürnstein gefangen gehalten – das Lösegeld für seine Freilassung wurde auch in die Befestigung der mittelalterlichen Stadt Hainburg gesteckt. Genau hier drehen wir jetzt eine Runde – mit Stadtführer Florian Emberger. Er hat sich dafür extra in Schale geworfen. Samt Strohhut, mittelalterlicher Wasserflasche und Gaita. Das ist die spanische Variante des Dudelsacks.
Auf geht’s zu den mittelalterlichen Stadttoren Hainburgs: „Drei Tore ins Mittelalter“, lacht Florian Emberger. „Auch die meterdicke Stadtmauer ist fast durchgängig erhalten, das ist wirklich etwas Besonderes.“ Wer sich vorab einen Überblick verschaffen will, wandert hinauf auf den Schlossberg – dann startet man am besten beim Ungartor. „Das östliche Stadttor ist am besten befestigt“, erklärt der Guide. Das massive Holzgitter ragt noch immer in den imposanten Durchgang. Original Mittelalter, genauso wie die schweren Beschläge der Tore. Da passen die Melodien des Dudelsacks und der Drehleier perfekt dazu – Instrumente hat Florian Emberger bei seinen Stadtführungen nämlich meistens dabei.
Manchmal ist der Stadtführer aber auch als Nachtwächter des 19. Jahrhunderts unterwegs. „Ich bin ziemlich detailverliebt und gestalte meine Touren immer ein bisschen anders, je nach Gruppe. Die Totengräber-Tour ist wohl die makaberste. Die kann man sich ein bisschen wie Jack the Ripper vorstellen, nur auf österreichisch.“ Auch Kindertouren bietet das Team der Tourismusinformation Hainburg. „Oder die Tour Weibersleut’ und Hexenzeug – eine Art Stationentheater, das meine Kolleginnen gestalten.“
In den warmen Monaten baut Florian Emberger meist eine Station fix ein: den Eissalon Daniel am Hauptplatz. Stracciatella oder Malaga landen bei ihm dann in der Tüte. Der Guide empfiehlt aber auf Wunsch auch weitere Adressen für eine Stärkung: „Einen tollen Blick auf die Donau gibt’s von der Terrasse des Gasthofs Zum Goldenen Anker.“ Mitten in Hainburg kann man aber auch zum Heurigen gehen, zum Beispiel wenn die Winzerin Michaela Riedmüller ausg’steckt hat. Alle Termine findet man im Heurigenkalender.
Weiter geht es auf unserer Runde durch die Stadt. Zum Wahrzeichen von Hainburg, dem Wienertor. Darin befindet sich auch das Stadtmuseum, das sonn- und feiertags geöffnet hat. Warum man in die Geschichte eintauchen sollte? „Wer seine Vergangenheit nicht kennt, verliert seine Zukunft – sagt ein Sprichwort. Das sehe ich auch so“, findet Florian Emberger.
Er selbst erzählt Geschichte in Form vieler kleiner G’schichtln und Anekdoten. Auch Sprichwörtern geht er gerne auf den Grund, zum Beispiel dem „auf den Hund kommen“. Im Mittelalter wurde auf den Böden von Geldschatullen und Schatztruhen manchmal ein Hund aufgemalt. „Kam man dann buchstäblich auf den Hund, hieß das: Das Geld neigt sich dem Ende zu.“
Geschichte erzählt man am besten in Form von Geschichten.
Durchs Fischertor geht es schließlich hinunter Richtung Donau. Hier führt auch der Donauradweg entlang – spazieren kann man hier weiter in Richtung Burgruine Röthelstein. „Die liegt ganz wildromantisch mitten im Wald, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Ein schöner Spaziergang, super für Familien“, empfiehlt der Guide zum Schluss.
Bei so viel Angebot verschafft man sich am besten vorab einen Überblick. Den gibt’s in der Tourismusinformation Hainburg. Einen Mittelalter-Profi findet man da nämlich sicher hinterm Tresen.