Im Schöpfungsmythos des antiken Babylons steht apsu für frisches Wasser sowie einen „kosmischen Süßwasserozean“. In der Produktion „apsu“ entsteht nun mit neuen, von Matthias Loibner verfassten Texten eine Geschichte. Diese hat allerdings keine lineare Handlung. Das Wasser erzählt gewissermaßen von sich selbst, den unterschiedlichen Aggregatzuständen, seiner Bedeutung für die Lebewesen, seiner Gefährdung. Wasser hat eine ganz eigene Vielfalt an Rhythmen, Melodien, ja sogar Akkorden. Die ideale tönende Besetzung dazu gibt das Trio Brot & Sterne, das seit gut einem Jahrzehnt zauberhafte Klangreisen unternimmt, sei es in puren Konzerten oder genreübergreifenden Projekten wie Hörbüchern oder dieser Uraufführung. Die sehr charakteristischen Klangkörper von Trompete und Drehleier werden durch behutsame Elektronik gleichsam in andere Sound-Welten transportiert. Die Perkussion steuert dazu viele leuchtende Farben bei. Der irische, in Berlin ansässige Video- und Medienkünstler Lillevan – er ist im Klangraum bereits wiederholt aufgetreten – kann durchaus als vierter Musiker des Abends bezeichnet werden. Intensität und Struktur sind ihm wichtiger als eine Story oder eine Figur. Lillevan versteht seinen Beitrag als Instrument, das die akustischen Klänge weder bloß begleitet noch überdeckt, sondern ihnen als Partner zur Seite steht. Worte eines außergewöhnlichen Dichters eröffnen den Abend und damit das Festival: Julian Schutting hat einen neuen Text zu den Themen Wasser und Vergänglichkeit vorbereitet.
Die Kraft der Poesie inspiriert Imago Dei 2026. Sie wird in den Tangotexten des Duos Piano Canción aus Argentinien spürbar und leuchtet aus dem Karfreitags-Programm des korsischen Ensembles A Filetta. Berührende mittelalterliche Grabsprüche aus Bosnien prägen das Programm „Heretical Angels“. Ein Essay über die Melancholie aus dem England der Renaissance begleitet „Lachrimae“ von John Dowland, interpretiert vom verzaubernden Klang des Blockflötenquintetts Element of Prime. Das Ensemble ist auch bei unserem Kinderkonzert im Einsatz. Das mitreißende Solo-Programm der Koto-Spielerin Karin Nakagawa wird durch Worte aus dem Japan des 13. Jahrhunderts ergänzt.
Ingeborg Bachmann, deren Geburtstag sich 2026 zum 100. Mal jährt, wird im Laufe des Festivals mehrmals zu Wort kommen. So liegt eine ihrer Geschichten an der Basis der Uraufführung von „Frühling. Leeres Land.“, einem musikalischen Szenario in außergewöhnlicher Besetzung. Bachmanns Text „Ein Blatt für Mozart“ wird zur Gran Partita, der abendfüllenden Serenade zum Festivalabschluss, zu hören sein. Auf den Film „Amadeus“ folgt Mozart live, gespielt vom L’Orfeo Bläserensemble mit 13 Instrumenten.
Nur Mandoline und Stimme genügen hingegen dem gefeierten Singer-Songwriter Chris Thile, um unvergleichliche Lyrics und Sounds zu entfalten. In Lesungen und Konzerteinführungen sind die Schauspieler:innen Dörte Lyssewski, Markus Meyer sowie Studierende der Musik und Privatuniversität der Stadt Wien, weiters der Diplomat Valentin Inzko und der Musiker Ernst Molden zu Gast. Zur Eröffnung wird der Klangraum auch zum Lichtraum. Bei der Uraufführung von „apsu“ gesellt sich die Videokunst von Lillevan als vierte Stimme zum Trio Brot & Sterne. An diesem ersten Abend von Imago Dei erklingt auch eine weitere große dichterische Stimme Österreichs: Julian Schutting verfasst für Imago Die einen neuen Text zu den Themen Wasser und Vergänglichkeit.