• Luftaufnahme einer Person, die mit Werkzeug an einer Trockensteinmauer im Weingarten arbeitet; rundherum Gras, Steine und Pflanzen.
    ©© Friendship.is/Ian Ehm

Wein.Weg.Wasser

Winzer und Urwachauer

Die Wachau kann als Region verstanden werden, oder als Zustand, je nachdem. Die Region liegt im Donautal zwischen dem Dunkelsteinerwald im Süden und dem Naturpark Jauerling im Norden. Der Zustand hingegen, hat, nun ja, mit einer Reihe von Gegebenheiten zu tun. Mit der steil terrassierten Landschaft etwa, den Begegnungen beim Heurigen und - natürlich - dem Wein. Max Brustbauer, Winzer und Urwachauer, führt durch eine Landschaft, die mehr ist als Kulisse. Unterwegs zwischen Strand und Heuriger.

Zwei Personen gehen über ein breites, helles Sandufer entlang der Donau; gegenüber liegen Hügel und ein Ort, darüber ein heller Himmel.
©© Friendship.is/Ian Ehm

Im Fluss der Dinge

Es macht durchaus Sinn, einen Tag in der Wachau an der Donau zu beginnen, immerhin prägt der Fluss seit Jahrhunderten das Leben der Region. „Sie ist so was wie die Grundlage der Wachau“, sagt Max Brustbauer über die Donau. Brustbauer, der früher Journalist war, ist heute Winzer in fünfter Generation, sein Hof, den er gemeinsam mit seiner Frau Kati führt, liegt in Oberloiben, wo die Weinterrassen fast bis ans Wasser reichen. Dort, am Nordufer der Wachau, gibt es Buchten, die so feinsandig und weitläufig sind, dass sie kurz vergessen lassen, wie weit das Meer von hier ist. „Zu den schönsten Dingen an einem Sommer in der Wachau gehört der Sprung in die Donau“, sagt er. „Deshalb haben wir auch dem Schwimmen einen Wein gewidmet, den Bauchfleck.“ 

Badeplätze

Von Emmersdorf bis Mautern finden sich in der Wachau eine Vielzahl an offiziellen Badeplätzen, viele davon sind naturbelassen. An Sommertagen steigt die Wassertemperatur hier auf bis zu 24 Grad, dann sitzen Familien am Ufer, Radfahrer:innen springen ins Wasser, Jugendliche spielen Volleyball. Wenn es kühler wird und die Sonne tief steht, sind die Badeplätze beliebte Rastplätze bei Spaziergänger:innen, die sich auf den Steinen am Ufer niederlassen.

Zwei Personen sitzen mit den Füßen im Wasser an einem kiesigen Ufer eines schmalen Seitenarms; dichtes Grün und hohe Gräser rahmen den ruhigen Flusslauf ein.
©© friendship.is/Simon Laabmayr
Zwei Radfahrende auf einem asphaltierten Uferweg entlang der Donau; gegenüber liegen bewaldete Hügel, rechts spenden Bäume Schatten.
©© friendship.is/Simon Laabmayr

Der Weg des Wassers

Gleich hinter den Badeplätzen schließt der Donauradweg an, meist führt ein schmaler Pfad vom Ufer direkt hinauf auf die Route. Davon, dass dies der meistbefahrene Radweg Europas sein soll, merkt man hier aber kaum etwas – selbst in den Ferien bleibt es erstaunlich ruhig. 

Die Route zieht sich wie eine feine Linie durch das Tal, rund 36 Kilometer lang. Am nördlichen Donauufer gilt besonders der Abschnitt zwischen Spitz und Weißenkirchen als einer der schönsten. Hier gibt es kaum Autos, dafür ständig neue Eindrücke: Obstgärten, kleine Kapellen, Weinterrassen und Dorfplätze, die sich an den Hang schmiegen. Und fast immer folgt man dem Fluss: links die Weite der Donau, rechts die steilen Hänge. Reben, so weit das Auge reicht.

Wer südlich der Donau von den Badebuchten bei St. Lorenz oder Oberarnsdorf aufbricht, fährt ein kleines Stück flussaufwärts. Etwa auf halber Strecke lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp: Gleich neben der Rollfähre Oberarnsdorf–Spitz steht der kleine Marilla-Foodtruck, wo Kaffee hausgemachter Kuchen sowie Flammkuchen und Toasts verkauft werden. Eine beliebte Rast bei Radler:innen. 
 

Die Brücke zur Rollfähre im Vordergrund und im Hintergrund die Donau mit der Rollfähre vor Spitz.
©© Ian Ehm || friendship.is

Das Beste kommt zum Fluss

Von Oberarnsdorf, direkt beim Marilla-Foodtruck, führt der Weg zur Fähre, die einen auf die andere Seite der Donau bringt. Legt man ab, verändert sich schon nach wenigen Momenten die Landschaft: Der Fluss wirkt größer, die Terrassen am Hang schroffer, die Dörfer dichter, ja, es scheint fast so, als hätte man sie zusammengerückt. Man spürt auch, wie ruhig die Donau plötzlich unter einem wird, denn die Rollfähre, die zu den ältesten noch betriebenen Gierseilfähren zählt, wird nur von der Flussströmung bewegt. Ein Prinzip, das seit Jahrhunderten funktioniert. 

An Deck steht die Camera Obscura des Künstlers Ólafur Elíasson, die die Landschaft durch neue Perspektiven erscheinen lässt. Die Weite des Flusses wird durch sie in das Innere der Fähre transportiert, durch den fokussierten Blick die wahrgenommene Bewegung neu aufgefasst – und für einen kurzen Moment scheint die Zeit wie aufgehoben. „Ich mag es, wenn Kunst etwas mit dem Alltag zu tun hat“, sagt Max Burstbauer, der die Fähre oft für Radausflüge nutzt, „wenn sie uns zeigt, was ohnehin da ist, nur in einer ganz anderen Perspektive.“

Die Mauern aus Stein

Führt der Weg, sowohl am Nord- als auch am Südufer des Flusses, weiter durch die Weingärten, ziehen sich zwischen den Reben Mauern aus hellem Bruchstein den Hang hinauf, in gleichmäßigen Linien., Sie teilen das Gelände in Stufen. Um die 720 Kilometer solcher Trockensteinmauern gibt es in der Wachau, viele davon sind bereits einige Jahrhunderte alt. Sie sichern die Weingärten, speichern die Wärme der Sonne und prägen das Gesicht der Region. Max Brustbauer, der auf seinem Weingut selbst Trockensteinmauern verlegt hat, sagt: „Die Bauweise der Trockensteinmauern zeigt für mich, dass man Dinge nicht übermodernisieren muss. Sie funktionieren so, wie sie immer schon funktioniert haben.“ Überhaupt erlebt das Handwerk des Trockensteinbaus gerade eine Art Renaissance, junge Winzer:innen erlernen die Technik wieder, die es in der Wachau seit über 700 Jahren gibt. Die Arbeit, erzählt Brustbauer, ist mühsam und beschwerlich, immerhin muss jeder Stein von Hand geschichtet werden, aber beim Mauern ist es wie im Weinbau. 

Mann arbeitet mit Werkzeug an einer Trockensteinmauer im Weingarten; rundherum stehen Rebzeilen am Hang, im Hintergrund öffnet sich der Blick ins Tal.
©© Friendship.is/Ian Ehm

Man vertraut auf Erfahrung, auf Technik, die sich bewährt hat. Man arbeitet mit Geduld, und das Ergebnis zeigt sich erst viel später.

Max Brustbauer

Das große Sitzenbleiben

Wenn die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwindet, endet der Weg dort, wo in der Wachau fast alles endet: beim Heurigen. „Das Schöne an einem Heurigen ist, dass er ein derart niederschwelliger Ort ist“, sagt Brustbauer. Man begegnet sich zunächst als Fremde an einem Tisch, und am Ende des Abends kennt man jemanden. „Es ist wie im Kaffeehaus, nur mit Spritzer“, so Brustbauer.

Seit 1784, als Kaiser Joseph II. den Ausschank des eigenen Weins erlaubte, gehört der Heurige fest zur Identität der Region. Heute gibt es im Wachauer Flusstal eine große Zahl an Heurigen, die meisten davon sind Familienbetriebe. Wenn über dem Eingang ein Strohkranz oder ein Fichtenzweig(ein sogenannter Buschen) hängt, wissen Einheimische und Gäste: Es ist offen. Serviert wird, was aus der Region kommt – kalte Jause, Aufstriche, Käse, Geselchtes, das berühmte Wachauer Laberl und natürlich der Wein des Hauses. Man isst, man redet, und bleibt einfach sitzen. 
 

Veranstaltungen und Angebote zum Thema

  • ©Helene Payrhuber

    Anna Mabo & die Buben zu Gast bei Weinhauer Brustbauer

    06.08.26, 17:00 - 22:00 Uhr /

    Weinhauer Brustbauer, 3601 Oberloiben
  • ©Robert Herbst

    Weinwandern Wachau

    ab  € 540,-pro Person im Doppelzimmer
    4 x Nächtigung | 4 x Gepäcktransport | 3 x Wanderjause
  • ©Die Abbilderei

    Genuss on Tour: Wachau-Triple

    € 114,-pro Person
    3 Gänge | 3 Restaurants | selbstgeführter Spaziergang
  • ©Die Abbilderei

    Genuss on Tour: Donau-Ride

    € 169,-pro Person
    Zillenfahrt | Weinverkostung | Genuss im Restaurant

Das könnte Ihnen auch gefallen