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Auf zu neuen Ufern

Die Donau und ihr Tempo

Zwischen Krems und Melk trifft Kunst auf Natur und Geschichte auf Wein. Unterwegs mit Ingeborg Hödl, Site-Managerin des Welterbes Wachau, die die Region in all ihren Facetten kennt und weiß, wieso die Donau hier das Tempo vorgibt. 

Kunst und Kaffee

Es beginnt dort, wo die Wachau in die Welt hinausblickt. Man könnte aber auch sagen, wo die Welt in die Wachau hineinreicht: In Krems, genauer gesagt an der Kunstmeile, wo sich Museen, Galerien und Ausstellungsräume aneinanderreihen. Ende der 1990er-Jahre im historischen Ensemble zwischen Steiner Tor und Minoritenplatz entstanden, bildet die Kunstmeile heute eines der bedeutendsten Kulturzentren Niederösterreichs. Rund zehn Institutionen sind hier vertreten, darunter die Landesgalerie Niederösterreich, deren spektakuläre Fassade aus 7.200 Aluminiumschindeln das Licht der Donau spiegelt, die Kunsthalle Krems in einer ehemaligen Tabakfabrik oder die Dominikanerkirche, ein gotischer Sakralbau, der heute als Raum für zeitgenössische Kunst dient.

„Inzwischen ist Kunst in der Wachau etwas, das im Alltag mitschwingt“, sagt Inge Hödl, die Managerin der Welterberegion Wachau. In den Kirchen, den Chören aber eben auch den zeitgenössischen Objekten im öffentlichen Raum. Kunst sei hier nämlich so omnipräsent, dass sie aus dem täglichen Leben der Wachauer:innen gar nicht mehr wegzudenken ist. „Das Besondere an Krems ist: Es ist urban, hat ein vielfältiges kulturelles Angebot, und trotzdem ticken die Uhren ein bisschen langsamer als anderswo“, sagt Hödl. 
Nur ein paar Schritte von der Kunstmeile entfernt befinden sich Ateliers, Werkstätten und kleine Cafés. Eines davon ist das Il Magazzino nahe der Kunsthalle – drinnen riecht es nach frischem Kaffee und Kalkstein, draußen ziehen Radfahrer vorbei, und dahinter schippern Schiffe auf der Donau. 
 

Drei Personen, teilweise sitzend auf einer niedrigen Steinmauer am Ufer der Donau; im Hintergrund breitet sich eine grüne Hügellandschaft mit Feldern und Wald aus.
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Kultur auf der Spur

Von Krems führt ein Radweg über die Mauterner Brücke auf die andere Seite der Donau. Die schmiedeeiserne Fachwerkbrücke wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und verbindet zwei Welten: das städtische Krems am Nordufer mit dem ruhigeren Mautern. Wer sie überquert, spürt sofort, wie sich Perspektiven verändern. Und das bereits seit Jahrhunderten: Die Bedeutung der Donau als Trennlinie und verbindendes Element gleichermaßen reicht lange zurück. Schon in früher Zeit war sie Grenze, Handelsweg und Lebensader zugleich. Entlang ihrer Ufer verlief nämlich der Limes, das nördlichste Bollwerk des Römischen Reiches – seit 2021 ebenfalls UNESCO-Welterbestätte. Außerdem: Einer seiner wichtigsten Stützpunkte lag hier, in Mautern, damals Favianis genannt. Die Soldaten bewachten von hier aus die Wasserstraße, sicherten den Handel und das Reich.

Alles im Fluss

Wer von der Mautner Brücke kommt, fährt an den Resten der alten Stadtmauer vorbei, Richtung Ortsausgang. Dort beginnt der Donauradweg, der auf der Südseite deutlich ruhiger verläuft als am Nordufer. Ein Blick von hier zurück: Die Türme und Museen der Altstadt Krems werden immer kleiner, während gegen den Strom die Landschaft immer dichter wird – es riecht nach Wald, eine frische Brise Natur bis sich schließlich das Tal vor einem weitet. 

Felder, Gärten, kleine Weiler, immer begleitet von der Donau, die hier breiter wirkt und irgendwie gelassener. Für Inge Hödl ist sie sowas wie die Lebensader der Region. „Ohne die Donau“, sagt sie „gäbe es auch keine Wachau.“ Wie viel sie den Menschen bedeutet, zeigte sich auch darin, dass sie den Bau des Donaukraftwerks bei Rührsdorf in den 1970er Jahren durch Proteste verhindern konnten. „Dass die Donau hier frei fließen kann, ist wirklich die Errungenschaft der Bevölkerung“, sagt Hödl. Etwa acht Kilometer führt der Radweg hier entlang des Flusses: Der blaue Turm der Stiftskirche Dürnstein auf der anderen Uferseite ist weithin sichtbar, während sich der flache, asphaltierte Radweg vorbei an Wein- und Obstgärten schlängelt. 
 

Portrait von Ingeborg Hödl
©Pamela Schmatz

Dass die Donau hier frei fließen kann, ist wirklich die Errungenschaft der Bevölkerung. 

Ingeborg Hödl

Genuss on Tour

Ebenfalls im, oder besser gesagt am Fluss ist man beim Kulinarik-Angebot von Genuss on Tour. Hier finden sich nähere Infos dazu: www.donau.com/genuss-on-tour

Soweit die Marille reicht

Unweigerlich sind hier, in der Wachau, die meisten Obstgärten, die man kreuzt, mit der berühmten Wachauer Marille kultiviert. Die Marille – sie prägt Landschaft und Identität. Während sich im Frühjahr weiße Blüten auf den Hängen des Flusstals ausbreiten, blitzt im Sommer sattes Orange hinter dunkelgrünen Blättern hervor. Kurz vor der Ernte möchte man meinen, die Marille könne leuchten – so kräftig ihre Farbe, so anziehend ihre Frucht.

Zur Erntezeit, also im Hochsommer, kommt man,entlang der Wachauer Straßen immer wieder an hölzernen Ständen vorbei – weiß-orange Schirme kennzeichnen die „echte Wachauer Marille“. Eine kurze Rast, die Gelegenheit, die Früchte beinahe „vom Baum zu kaufen“. Spätestens auf den meisten Speisekarten der Gegend läuft man ihr dann nochmals über den Weg: Selbstverständlich im Knödel, dünn verstrichen in der Palatschinke oder manchmal sogar im Hauptgang. Die Marille, aus der Wachau nicht wegzudenken, obwohl ihr Weg in die Wachau ein weiter war: Aus China kommt die Frucht nämlich ursprünglich, vor 2000 Jahren fand sie – über Griechenland und Italien – schließlich ihren Weg ins Donautal.
 

Immer der Nase nach

Immer weiter an den Gärten vorbei, ragt direkt am Donauufer bei St. Lorenz die „Wachauer Nase“ aus der Landschaft. Sie wurde von der Künstlergruppe Gelitin entworfen und erweckt auf den ersten Blick den Anschein, hier sei ein Riese vergraben, von dem nur noch die Nasenspitze aus der Erde ragt. Rund sieben Meter lang und vier Meter hoch, spiegelt sie das Licht, das sich über die Donau legt, und bildet so einen liebevoll-ironischen Kontrast zur Postkartenidylle der Wachau.

Von hier oben, von der Ried Klaus, blickt man über den Fluss auf Weißenkirchen mit seinen Weinterrassen und dem hervorstechenden Kirchturm. Für Hödl ist dieser Ort sinnbildlich für die Wachau. Ein eklektisches Ensemble aus Natur, Geschichte, Architektur und Kultur. Es ist diese lange Beziehung zwischen Mensch und Landschaft, sagt sie, die das Gesamtkunstwerk Wachau ausmache. Schon um die Jahrhundertwende haben sich aus diesem Grund auch so viele Künstler:innen hier niedergelassen, unter anderem die sogenannten Wachaumaler. Sie kamen wegen des Lichts, der Weite, der Architektur sowie der eigenwilligen Geografie dieses schmalen Flusstals. 

Ein Glas, ein Gespräch

Wenn der Tag sich zu Ende neigt und das Licht weich über den Fluss fällt, kehrt man am besten zurück ans Ufer. Auf der Promenade, irgendwo zwischen Krems und Melk, sitzt man, blickt auf den Fluss und plaudert. Ein Glas Wein in der Hand – Grüner Veltliner oder Riesling natürlich, denn die beiden Sorten fühlen sich hier durch die Wachauer Urgesteinböden besonders wohl. 2000 Jahre wird Wein im Donautal bereits angebaut – es fühlt sich so an und ist Kultur, wenn man sich zuprostend, die Spiegelungen des letzten Tageslichtes im Wasser genießt, Lastkähne langsam vorbeiziehen, und am Ufer die ersten Laternen leuchten. „Es gibt für mich kaum Schöneres als einen Abend am Donauufer“, sagt Hödl. Die Gespräche, der Wein und - etwas später, wenn es finster wird - ein Himmel voller Sterne, die man in der Stadt kaum mehr sehen kann, so Hödl. Und gerne bleibt man manchmal länger als geplant.

Zwei Personen sitzen im Garten an einem kleinen Tisch vor einer hellen Wand und stoßen mit Weißweingläsern an.
©© friendship.is/Simon Laabmayr

Veranstaltungen und Angebote zum Thema

  • ©Die Abbilderei

    Genuss on Tour: Donau-Ride

    € 169,-pro Person
    Zillenfahrt | Weinverkostung | Genuss im Restaurant
  • ©Die Abbilderei

    Genuss on Tour: Wachau-Triple

    € 114,-pro Person
    3 Gänge | 3 Restaurants | selbstgeführter Spaziergang
  • ©Stadtmarketing Krems

    Kremser Marillenblütenmarkt

    27.03.26, 10:00 - 17:00 Uhr / weitere Termine verfügbar

    Altstadt Krems, 3500 Krems an der Donau
  • ©Donau Niederösterreich / Barbara Elser

    Welterbesteig Wachau - Das Herzstück

    ab  € 495,-pro Person im Doppelzimmer
    4 x Nächtigung | 3 x Gepäcktransport | 1 x Weinverkostung

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