• Feuerwerk zur Sonnenwende vor dem Stift Melk
  • Tanz beim Marillenkirtag in Spitz
  • Blumen © Anna Tukhfatullina Food PhotographerStylist on Unsplash
  • Kinder mit Goldhauben

Brauchtum aus den Donauregionen

Lebendiges Brauchtum und traditionelle Feste im Jahresreigen

In den Orten und Regionen entlang der Donau in Niederösterreich wird das Thema Brauchtum hoch gehalten. Traditionelle Feste wie die Sonnwendfeiern in der Wachau und im Nibelungengau oder Erntedankfeste werden gemeinsam gefeiert, andere Bräuche wiederum finden sich in beinahe jedem Haushalt und gehen auf spannende Geschichten aus den vorigen Jahrhunderten zurück.

Hier finden Sie traditionelle Bräuche aus der Region und die Geschichten dahinter. Wer noch mehr über bestimmte Brauchtümer erfahren möchte, dem empfehlen wir die Website der Volkskultur NÖ.

Adventkranz © Donau Niederösterreich

Adventkranz


Die Geschichte des Adventkranz geht auf einen evangelischen Diakon, Johann Hinrich Wichern, aus Norddeutschland zurück. 1839 hatte er ein Wagenrad mit vier großen weißen und 20 kleinen roten Kerzen geschmückt. Der „Wichernkranz“ sollte den Kindern die Zahl der Tage bis Weihnachten anschaulich machen, außerdem lernten sie dadurch auch Zählen.
Aus dem traditionellen Wichernschen Adventskranz hat sich – vor allem auch aus praktischen Gründen – der Adventskranz mit vier Kerzen entwickelt. Seit etwa 1860 wird der Adventskranz traditionellerweise aus Tannengrün gefertigt. Erst knapp hundert Jahre nach dem ersten Adventkranz wurde dieser Brauch auch in der Katholischen Kirche übernommen. Hier wird der Kranz mit 3 violetten und einer rosa Kerze geschmückt.
Unser Tipp: Wer wissen möchte, warum die dritte Kerze rosa ist und was das Wort „Advent“ eigentlich bedeutet, dem empfehlen wir dieses Video aus dem Stift Klosterneuburg .

Barbarazweig, Kirschblüte in einer Vase

Barbarazweige


Am Festtag der heiligen Barbara, dem 4. Dezember,  schneidet man traditionellerweise Zweige von Obstbäumen, bevorzugt von Kirschbäumen, und stellt sie in einer Vase mit Wasser auf ein Fensterbrett. Glückbringend sind dann die Knospen und Blüten, wenn sie um den Heiligen Abend auf den Barbarazweigen aufblühen.
Tipp: Falls es vor dem 4. Dezember noch keinen Frost hatte, dann sollte man die Zweige vor dem Einwässern über Nacht in das Gefrierfach legen, dann blühen sie auch wirklich auf.

Nikolausstiefel © von Myriams Fotos auf Pixabay

Der Hl. Nikolaus und das Schifferlsetzen in Spitz


Der 6. Dezember gilt als der Festtag des Hl. Nikolaus, der historischen Person des Bischofs von Myra. An diesem Tag (erst wieder 2021!) wird in Spitz an der Donau seit einigen Jahren wieder der Brauch des "Schifferlsetzens" begangen, Nikolaus ist nämlich auch der Patron der Schiffsleute. Denn der Überlieferung nach war eines der Wunder, das Nikolaus von Myra vollbrachte, die Rettung der Seeleute bei einem furchtbaren Sturm.
In der Spitzer Pfarrkirche findet an diesem Tag eine Vesper statt. Danach führt der Festzug angeführt vom Nikolaus und Nachtwächtern die Kinderschar zur Donau, wo die mit Licht erhellten, mitgebrachten "Schiffchen", auf deren Segeln Wünsche aufgeschrieben sind, von der Freiwilligen Feuerwehr Spitz in die Donau gesetzt werden. Ein Lichterteppich verschwindet daraufhin langsam in der Nacht und trägt die Wünsche der Kinder fort.

Weizen © by Nadine Redlich on Unsplash

Luzia und der Weizen


Lange galt die Nacht des 13. Dezembers als die längste Nacht des Jahres (vor der Gregorianischen Kalenderreform 1582). Das erklärt, warum der 13. Dezember Luzia, der Lichtvollen, geweiht war. Am Luzientag mit Erde und Wasser in einem Teller ausgesäter Weizen erreicht bis Weihnachten eine Höhe von zirka 20 Zentimeter. Aus dem Wachstum diese Saat schloss man früher auf das kommende Jahr: ein Orakel, das sich zu Hause leicht ausprobieren lässt und einfach auch "nur" dekorativ ist.

Christbaum © Mariia Zakatiura on Unsplash

Christbaum


In heidnischen Kulturen waren immergrüne Pflanzen ein Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Im Mittelalter wurden Bäume zu bestimmten Festlichkeiten, wie zum Beispiel der Maibaum, geschmückt. Außerdem wurde zu dieser Zeit im Winter Tannenreisig ins Haus gehängt, um böse Geister zu vertreiben und um die Hoffnung auf den nächsten Frühling auszudrücken. 1419 wurde in Freiburg zum ersten Mal ein Baum - ähnlich eines heute bekannten Christbaums - geschmückt.

Nach Österreich kam der Brauch, einen Christbaum aufzustellen und zu schmücken, erst im 19. Jahrhundert. Zunächst war er eher in Städten verbreitet, nach einiger Zeit setzte sich der Brauch auch am Land durch. Vor dem Wiener Rathaus wird seit 1959 jedes Jahr ein Christbaum geschmückt. 

Weihrauch © by Marcos Paulo Prado on Unsplash

Räuchern


Ein Brauch mit heidnischen Wurzeln, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Kräuter, Weihrauch oder Teile des Palmbuschens werden verbrannt (bitte Räuchergut nie unbeaufsichtigt lassen!). Der dabei entstehende Rauch verteilt sich in den Räumen, wobei er reinigend auf Körper und Seele wirkt. Üblicherweise räuchert man in den Rauhnächten - von 21. auf 22. Dezember (der längsten Nacht des Jahres), von 24. auf 25. Dezember (Christnacht), von 31. Dezember auf 1. Jänner (Silvesternacht) und von 5. auf 6. Jänner (Epiphaniasnacht).

Fasslrutschen, Klosterneuburg, Tullner Donauraum

Fasslrutschen in Klosterneuburg


Rund um den 15. November wird in Klosterneuburg das Leopoldifest gefeiert. Dabei wird Leopold III., Markgraf von Österreich und Gründer des Stifts Klosterneuburg, sowie Landesheiliger von Niederösterreich und Wien, geehrt.
Beim Fasslrutschen im Binderstadel des Stiftes Klosterneuburg rutscht man über das rund vier Meter hohe und 56.000 Liter fassende "1000-Eimer-Fass" aus dem Jahr 1704, das ursprünglich den Zehentwein für die geistliche Grundherrschaft zum Inhalt hatte. Dieser Brauch lässt sich bis ins Jahr 1814 zurückverfolgen. Er geht auf die Weinbauern zurück, die auf der einen Seite auf das Fass hinaufstiegen, oben ihren Most hineingossen und auf der anderen Seite wieder hinabrutschten.

Impressionen aus der niederösterreichischen Donauregion

Wussten Sie?

... dass das Abbrennen von Sonnwendfeuern in der Donauregion Niederösterreichs vor mehr als 400 Jahren erstmals urkundlich registriert wurde?
Der Brauch wurde in der Wachau wie kaum anderswo gepflegt und erhalten.

Vom Sonnenkult zum stimmungsvollen Fest
Über die Wurzeln der bis heute in vielen Ländern Europas verbreiteten Sonnwendfeiern gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse und zahllose Theorien. Ob es sich - wie von den meisten Forschern angenommen - tatsächlich um die Reste eines archaischen Sonnenkults von Kelten, Slawen und Germanen handelt, ist weder zu beweisen noch zu widerlegen. 

Die ältesten durch Quellen nachgewiesenen Sonnwendfeiern in Niederösterreich fanden 1604 in Rosenburg am Kamp und 1609 in Klosterneuburg statt. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts sind sie in großer Zahl für fast das ganze Land belegt. Am ausgiebigsten gefeiert wurde in der Wachau und im Nibelungengau.

In der Zeit der Aufklärung für ungefähr ein Jahrhundert verboten, kamen die Feiern erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und entwickelten sich zu ausgelassenen Volksfesten. 

Um dieselbe Zeit gelangten die Sonnwendfeiern in der Wachau durch Reiseberichte von Schriftstellern und Journalisten erstmals zu beachtlicher internationaler Bekanntheit. Besonders beeindruckt hat die zeitgenössischen Besucher dabei offenbar vor allem der vieltausendfache Glanz der Lichter, die auf winzigen Booten die Donau hinabgeschickt wurden. Wie sehr sie dabei ins poetische Schwärmen gerieten, kann entweder in den Archiven nachgelesen oder demnächst direkt vor Ort nachempfunden werden. Schön authentisch und authentisch schön.
Infos zu den nächsten Sonnenwende-Terminen