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Römische Ausgrabungen

3424 Zeiselmauer

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Gemeinde Zeiselmauer-Wolfpassing
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Burgus

Das im Ort als Römermauern bezeichnete spätrömische Kastell (Burgus) wurde in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts an der Nordwestecke des römischen Lagers für die Restgarnison von nur noch etwa 50 Mann errichtet. Das befestigte bisherige Lager wurde der Zivilbevölkerung überlassen. Der einzige Zugang in den annähernd quadratischen Bau erfolgte vom Lagerinneren durch den noch sichtbaren Torbogen. Ursprünglich war das Gebäude dreistöckig, mit hölzernen Zwischendecken. In der Mitte deuten vier hakenförmige Fundamente einen kleinen Innenhof an. Sie trugen Holzsäulen, auf denen das Dach ruhte. Im Vordergrund liegen Teile der westlichen Mauer, die bereits in der Spätantike umstürzte.

Fächerturm

Der Fächerturm wurde als nordöstlicher Eckturm in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts an die bestehende Lagermauer angebaut. Er ist das älteste der sichtbaren römischen Bauwerke von Zeiselmauer / Cannabiaca. Durch den fächerförmigen Grundriss ragte er weit über die Lagerecke hinaus, was die Verteidigung gegen angreifende Feinde erleichterte. Die aus der Bauzeit stammenden Löcher für das Baugerüst sind durch Holzpflöcke markiert. Die ursprüngliche Höhe des Turms betrug 9 Meter. Er befindet sich auf dem Privatgrundstück Römergasse 6.

Körnerkasten

Das spätrömische Kastentor wurde in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts an der Stelle des vorherigen östlichen Lagertors (Porta Principalis Dextra) errichtet. Knapp über dem jetzigen Bodenniveau ist der obere Teil des Torbogens zu erkennen, an der linken Seite die Anschlussfläche der früheren Lagermauer. Die abgerundeten Gebäudeecken sind charakteristisch für die römische Bauweise. Seit dem Mittelalter wurde der Bau als "Körnerkasten" (Speicher für das Zehentgetreide) genutzt und blieb dadurch erhalten. Das Mauerwerk ist bis zur Dachhöhe spätrömisch, die Datierung 1581 auf dem Torbogen bezieht sich auf den damaligen Einbau eines Kellergewölbes mit Eingangstor.

Römischer Schauraum

Zeiselmauer verfügt über einen sehenswerten Bestand römischer Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus dem Lagerbereich, aus der Zivilsiedlung und aus Gräbern. Die kleine Ausstellung zeigt davon eine Auswahl, ergänzt durch Leihgaben des Kunsthistorischen Museums Wien, des Landes Niederösterreich – Archäologischer Park Carnuntum und des Bundesdenkmalamts. Alle Objekte stammen aus Zeiselmauer und umspannen den Zeitraum vom 1. bis zum 4. Jahrhundert.  

Die Ausstellung im Foyer des Gemeindeamtes ist während der Öffnungszeiten des Gemeindeamtes bzw. der angrenzenden Bäckerei frei zugänglich. Sie wurde 2015 vom Verein „Freunde von Zeiselmauer“ gestaltet und aus den Beiträgen seiner Mitglieder finanziert.

Beachtenswert sind die beiden wichtigsten schriftlichen Zeugnisse aus Zeiselmauer / Cannabiaca:
Ein Weihestein, den die hier stationierte Truppe um 165 n. Chr. zu Ehren des Kaisers Lucius Verus errichtet hat.
Die aus dem 2. Jahrhundert stammende Grabstele des Veteranen Aelius Aemilius, die ihm seine Gattin mit dem wahrscheinlich keltischen Namen Amuca errichtet hat. Eine Kopie der Grabstele ist neben dem Burgus aufgestellt.

Unterkirche

Unter der Pfarrkirche befinden sich die Reste des römischen Kommandogebäudes (principia) mit dem Fahnenheiligtum, in dem die Truppenzeichen und ein Standbild des römischen Kaisers verwahrt wurden. In spätrömischer Zeit diente das Fahnenheiligtum vermutlich als christlicher Kultraum. Nach der Neubesiedlung durch die Bayern im 9. Jhdt wurde über den römischen Resten eine karolingische Saalkirche errichtet. Sie zählt zu den frühesten Kirchenbauten Niederösterreichs.

Die Besichtigung der Unterkirche ist nur mit Führung und gegen Voranmeldung möglich. kontakt@freundevonzeiselmauer.at